Dokumentarfilm von Annekatrin Hendel, D 2011, 97 min,
in Koproduktion mit ZDF und Arte
Wir freuen uns sehr, dass "Vaterlandsverräter" in der Kategorie "Information & Kultur" den Grimme-Preis 2013 gewinnt!
Annekatrin Hendel und Maria Wischnewski auf der Grimme-Preis Verleihung 2013.
www.grimme-institut.de/html/index.php?id=8
Aus über 800 Preis-Vorschlägen haben drei Wettbewerbsjurys knapp 60 Formate ausgewählt, die sich im finalen Rennen um einen Grimme-Preis befunden haben. Am Freitag, 5. April wurden die Gewinner ausgezeichnet: „Packende Fernsehfilme auf höchstem professionellen Niveau, bewegende und formal ausgefeilte Dokumentationen sowie pointierte Unterhaltung kennzeichnen den aktuellen Grimme-Preis-Jahrgang“, so Grimme-Direktor Uwe Kammann in seiner Bilanz bei der Pressekonferenz am 27. März in Düsseldorf.
Aus der Jury-Begründung zu "Vaterlandsverräter":
"Was für ein Filmanfang: Ein Ruderboot, ein Mann, eine Frau, eine Kamera. Der Dichter Paul Gratzik rudert. Die Regisseurin Annekatrin Hendel fragt ihn aus dem Off nach seiner Stasi-Geschichte. Gratzik erinnert sich an einen Spruch seiner Mutter: „Der schlimmste Feind im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Der Gedanke nagt an ihm, die Regisseurin lässt nicht locker. Er bekommt einen Wutausbruch, will plötzlich nichts mehr vom Thema seiner Stasivergangenheit wissen und von Reue schon gar nicht: „Ich geh über Bord. Ich habe kein Gewissen, ich habe keine Moral. Jedenfalls nicht eure.“
Lange nicht hat man in einem Dokumentarfilm eine so rasante, spannungsgeladene und aussagekräftige Szene gesehen – ein Lehrstück für alle Filmschulen. Und was das Beste ist: Das Versprechen des Anfangs kann der Film einlösen."
Link zur Jurybegründung
www.grimme-institut.de/html/index.php?id=1742
Uraufführung zur 61. Berlinale
bester Dokumentarfilm beim Filmfest Augenweide Kiel
Friedenspreis der Stadt Osnabrück
Unser Schnittmeister JÖRG HAUSCHILD war für den Schnittpreis Dokumentarfilm 2012 für VATERLANDSVERRÄTER nominiert. (Und für den Schittpreis Spielfilm auch: HALT AUF FREIER STRECKE) www.filmportal.de/nachrichten/die-nominierungen-fuer-die-schnitt-preise-2012
DVD-Verkauf → www.delikatessen.org
in Koproduktion mit ZDF und Arte
Synopsis
So schwer, wie man zu ihm hinkommt, kommt man auch an ihn heran. In einem abgelegenen Teil der Uckermark kämpft sich die Regisseurin Annekatrin Hendel durch den Schnee. Es ist der Drehstart für einen Film über den 75 Jahre alten Schriftsteller Paul Gratzik, Stasi-Zuträger, Aussteiger, Dissident. Das erste, was Gratzik trotzig von sich gibt ist: Über die Stasi rede er nicht. Das könne sie, Annekatrin Hendel, sich aus dem Kopf schlagen. Punkt. Aber es gibt diesen Film doch. Er ist einerseits das Psychogramm eines widersprüchlichen Exemplars “Mann” in seinen Extremen: Satyr, Verführer, Radikalist und Eremit. Andererseits liegt mit VATERLANDSVERRÄTER eine Geschichte über die DDR, ihre Kritiker und die Stasi vor, wie sie, 20 Jahre nach ihrem Ende, noch nicht erzählt worden ist. Gratzik hat seine Arbeit als IM wegen Vaterlandsverrat, dem der Funktionäre an den Menschen in der DDR, beendet und sich geoutet. Die Konsequenzen, nicht mehr veröffentlichen zu können und selbst bespitzelt zu werden, nimmt er damit in Kauf.
Annekatrin Hendel ist es gelungen, ein Leben nachzuzeichnen, an dessen Ende ein Mann steht, den man verfluchen und gern haben muss, gleichzeitig. Für den Film zieht sie mit ihm durch wichtige Stationen seines Lebens und erlebt die Härten seines Alltags. Zu Wort kommen eine verflossene Liebe, seine erwachsenen Kinder, Freunde, Kollegen, sein Führungs-Offizier und ein IM, der später auf ihn angesetzt wird.
Und natürlich Gratzik selbst, seine Erinnerungen, seine Texte und die von ihm verfassten Stasiberichte. Dass er, der sich gerne um Kopf und Kragen redet, dabei letztlich keine Erwartungshaltung bedienen muss, ist der sensiblen Handschrift dieser Filmemacherin zu verdanken. Und ihrer hartnäckigen Neugier: dass er dann zwar doch mit ihr redet, sich aber in seiner ihm immanenten Zerrissenheit und Sturheit treu bleiben darf. Annekatrin Hendel verzichtet von vornherein auf die „Moral von der Geschicht`“ und kann resümierend damit leben, dass Täter und Opfer in einer Person sich vor allem zu „Mensch“ neutralisiert.
Juliane Voigt
Journalist


